Sonntag, 7. August 2016

Türkei - Was tun als Österreich?

Das Geschwurbel unserer Regierung Richtung Türkei/Erdogan ist nicht hinnehmbar und darf nicht unkommentiert bleiben:

Warum sollen die Beitrittsverhandlungen gerade jetzt abgebrochen werden? Ausbegremst sind diese ohne seit Jahren und als Zwischenstufe wäre auch ein simples Aussetzen der Verhandlungsrunden eine Möglichkeit. Das Argument "diese Türkei" ist gefährlich, denn es bestätigt genau jenes Bild, das
 Erdogan/AKP vermitteln wollen: er/sie ist gleichbedeutend mit dem Land und dem Volk. Ein Festhalten am großen Ziel, die EU und Türkei näher zusammen zu führen, wäre gerade jetzt wichtig. Es wäre auch leicht zu vermitteln, schließlich sind Land und Leute weit mehr als Erdogan/AKP; die Menschen sind diverser als es uns viele weis machen wollen: kulturell, sprachlich und politisch. Ein Festhalten an Gesprächen (mit oder ohne Aussetzen) wäre ein klares Statement und würde das propagierre Bild des nationalistisch-muslimischen Einheitsstaates schwächen.

Außerdem muss die Wiedereinführung des Botschaftsasyls ernsthaft in Erwägung gezogen werden. EU und Bundesregierung machen es sich zu einfach, wenn sie nur davon reden, Oppositionelle und Minderheiten sollen geschützt werden, ohne selbst irgendetwas Handfestes zu unternehmen. Die direkte und legale Flucht/Ausreise wäre ein deutliches Signal und ein wirkungsvolles Mittel gegen die Repressalien Erdogans und seines Polizei-/Geheimdienstapparats. So wurden bereits zig tausende türkische Pässe annuliert; die betroffenen Personen de facto im Land fest gesetzt. Neben dem menschlich richtige wäre das auch taktisch geschickt.


Klar, (Botschafts-)Asyl für Türk.innen würde den Status der Türkei als "sicheres Drittland" in Frage stellen. Doch das ist dieser ohnehin - ein höchstgerichtliches Urteil gegen den "Türkei-Deal" ist bloß eine Frage der Zeit.


Schließlich sollte die langfristige Perspektive im Auge behalten werden. Die Regierungen - hier wie dort - werden einmal weg sein. Also ist es essentiell, eine gute Basis zu haben, zwischen Ländern und Menschen, die vieles gemeinsam haben und durch Nachbarschaft verbunden sind. Die harten Worte aktuell sind bloß Beißreflexe - und das ist alles andere als vernünftig und verantwortungsvoll.

Freitag, 22. Juli 2016

LARA - Testride

Inzwischen war ich zweimal mit LaRa - dem Leih-Lastenrad für Wiener Neustadt - unterwegs und nachdem der ORF gestern über den "Trend" Lastenrad berichtete, soll nun endlich mein Erfahrungsbericht folgen:

LARA - Wer?
Hinter LaRa steckt der Verein "Die Teilbaren", das Leih-Lastenrad mit Elektromotor ist sein erstes Projekt. Um LaRa zu nutzen, ist kein Vereinseintritt nötig, bloß eine Registrierung. Diese ist ebenso wie die Ausleihe kostenlos. Beides funktioniert simpel und schnell übers Web.

LARA - Wie?
Einfach abholen und losfahren ist *beim ersten Mal* nicht - vor allem für jene ohne Erfahrung mit Lastenrädern. Dieses Rad ist vergleichsweise schwer und mit der breiten Vorderachse in der Lenkung gewöhnungsbedürftig. Eine kleine Proberunde empfiehlt sich daher vor dem Start in den Verkehr. Ist die Strecke frei und relativ gerade, kann richtig Gas gegeben werden. Der Elektromotor gibt immer Unterstützung beim Start (mit Last oder leichter Neigung bergan ist das sogar notwendig) aber verstärkt nur die eigene Beinkraft (bei 25 km/h riegelt er ab). Praktisch sind auch die Scheinwerfer und das Rücklicht, die mit dem Motor automatisch angehen.

LARA - Was?
LARA bietet eine großzügige Ladefläche (zB mehrere Kisten Mineralwasser in Glasflaschen) aber auch eine kleine Sitzbank und Gurte für 2 Kinder. Darunter befindet sich ein abschließbares Fach, das aber auch entfernt werden kann (für mehr Ladefläche). Was allerdings "fehlt" ist eine Halterung für eine Trinkflasche und Rückspiegel - für einen Spurwechsel im Straßenverkehr. Für schlechtes Wetter ist auch eine Abdeckplane beigelegt.

LARA- Wo?
Das Rad wechselt alle paar Wochen den Standort, bleibt jedoch immer in der Neustädter Innenstadt. Leider ergeben sich daraus auch unregelmäßige Zeitfenster für Abholung und Retourgabe. Dafür gibt es das eine oder andere Geschäft (erstmalig) zu erleben. 

Mit LARA sind alle Augen auf dich gerichtet - Neugier und Fragen nicht ausgeschlossen. Wenn Lastenräder in Österreich gerade im Kommen sind, dann wird es wohl nicht einfacher gehen, dem Trend zu folgen als mit LaRa =)


Im Hinterhof kann trotz größerem Kurvenradius auf Handzeichen verzichtet werden ;)
Kurz in Richtung Kamera blicken - ansonsten Augen immer auf die Straße!
Das Wichtigste zum Schluss: http://www.deinlastenrad.at/

Mittwoch, 13. Juli 2016

Nachlese #08-2016

Die Europameisterschaft ist vorbei und der Stapel der Lesezeichen will abgebaut werden. Wer diese Artikel-Auswahl liest, weiß, es dreht sich was (sozial und wirtschaftlich gesprochen) und diese Veränderungen gilt es sich gut anzusehen und Lösungen radikal und offen anzudiskutieren. Wo wollen wir hin und was bleibt?



Das wichtigste Diagramm unserer Zeit sieht aus wie ein Elefant - betitel Rico Grimm seinen Artikel im Krautreporter über den Globalisierungsgegner von nebenan, der (Rechts)Populisten zu Wahlerfolgen verhilft: 


Menschliche Arbeitskraft wird duch Maschinen ersetzt - das "Ungeheuer" Maschinensteuer steht im Raum. Und wir werden daran nicht vorbeikommen:


Elfriede Hammerl über die Anspruchshaltungen von "Protestwählern". Durchaus verwunderlich, was da manche meinen, was sich ändern muss ... oder geben sie so manche Lächerlichkeit einfach nur vor?
http://www.profil.at/meinung/elfriede-hammerl-fpoe-hofer-regierung-protest-6387812


Dazu passend entblättert Georg Hoffmann-Ostenhof die Demokratie-Idylle und den Trugschluss, dass nur/mehr direkte Demokratie Verbesserung bringt. Schließlich ist bereits immenses Vertrauen da - was sollte da noch gesteigert werden?
http://www.profil.at/meinung/georg-hoffmann-ostenhof-oesterreich-demokratie-idylle-6976983


Sachlich-nüchtern zusammengefasst bringt der ORF das aktuelle zur Ansicht: Bildung oder Vollzeitjob genügen immer seltener dazu, ein gutes Leben zu führen. Stattdessen bewegen sich immer mehr Menschen an der Armutsschwelle: http://orf.at/stories/2334887/2334898/


Zum Abschluss etwas städtbaulich-verkehrsplanerisches: Teure Parkplätze sind gerechter meinen Michael Fabricius und Frank Stocker. Ich stimme ihnen zu:


Ins gleiche Horn bläst auch Julia Schilly und präsentiert eine konkrete Studie zur Situation in Wien:

Mittwoch, 29. Juni 2016

5F und 53

In den vergangenen Monaten sind mir im Stadtgebiet neue Sprayings ins Auge gefallen - das nicht im Positiven. Es handelt sich um ein "5F" einerseits und um eine "53" andererseits. Beides erinnert (nicht nur mich) an ein Hakenkreuz. Eine Anfrage an Expert.innen für neonazistische Codes und rechtsextreme Symbolsprache fiel negativ aus.

Dennoch liegt dieser Schluss nahe, den an den Stellen, wo diese Tags auftreten, gab es in der jüngeren Vergangenheit auch Hakenkreuze aber auch Sticker einschlägigen Inhalte - nicht nur aber sehr häufig Sticker der Identitären Bewegung. Vielleicht sind es tatsächlich nur harmlose Tags zweier Sprayer-Crews. Ich habe meine Zweifel. Aber macht euch selbst einen Eindruck:

[Über Meldung oder Zusendung weiterer Sprayings freue ich mich.]


Standort: Parkdeck Ungargasse
(unter dem weißen Rechteck befindet sich ein Hakenkreuz)

Standort: Parkdeck Ungargasse (Blick von Bushaltestelle HAK/HAS)

Standort: ÖBB-Parkdeck

Standort: ÖBB-Parkdeck

Standort: Stadtpark (Hotel Corvinus)

Standort: Singergasse

Standort: Singergasse / Ecke Hagenmüllergasse

Standort: Hauptbahnhof

Stadort: Bahnhof, Gleis 1a